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Agentic Commerce: So viel Autonomie trauen Deutsche einer KI zu
Agentic Commerce verspricht maximale Bequemlichkeit, aber deutsche Verbraucher ziehen klare Grenzen. Unsere Umfrage mit Riverty zeigt: Neugier ist da, aber Autonomie gibt es nur mit Kontrolle, Limits und dem richtigen Payment-Setup.
Agentic Commerce klingt nach dem nächsten logischen Schritt im E-Commerce. Eine KI merkt, was im Haushalt fehlt, vergleicht Produkte und löst den Kauf aus, etwa für Waschmittel, Drogerieartikel oder Katzenfutter. Das wirkt wie maximale Bequemlichkeit.
Doch bei der Einführung von Agentic Commerce geht es um mehr als nur Komfort. Es geht auch um die Frage, wie viel Kontrolle Menschen überhaupt abgeben möchten und ab wann sich Delegieren nicht mehr praktisch, sondern riskant anfühlt. Genau das wollten wir herausfinden und haben gemeinsam mit Riverty Verbraucher in Deutschland gefragt, wie viel Autonomie sie einer KI beim Shopping tatsächlich geben würden.
Die Antworten sind relativ klar. Die Neugier ist da, aber mit klaren Bedingungen: Die Deutschen fordern Kontrolle, Transparenz und ein sicheres Payment Setup.
Was ist Agentic Commerce?
Wenn wir hier von Agentic Commerce sprechen, meinen wir nicht den Chatbot, der Produktfragen beantwortet. Gemeint sind autonome KI-Agenten, die Produkte auswählen und Käufe teilweise automatisiert auslösen. Diese Autonomie bewegt sich typischerweise innerhalb definierter Regeln, etwa bei Budgetgrenzen, Produktkategorien oder Freigaben. Nutzer werden dadurch weniger Käufer im klassischen Sinne und eher Aufsichtspersonen, die die Entscheidungen der KI kontrollieren, statt jeden Schritt selbst zu gehen.
Wie stehen Verbraucher in Deutschland zu Agentic Commerce?
EIn Blick auf die Ergebnisse der Umfrage zeigt, wo Verbraucher bei KI-gestützten Käufen offen sind und wo sie noch Vorbehalte haben. Vor allem bei Kontrolle, Budget und Bezahlung werden die Bedingungen sichtbar.
Die Umfrage wurde vom 03.12.2025 bis 04.12.2025 unter 1.000 Befragten in Deutschland über das Umfrageinstitut Appinio durchgeführt. Befragt wurden jeweils 500 Frauen und 500 Männer.
Erkenntnis 1: Neugier trifft auf ein starkes Kontrollbedürfnis
93 % der Befragten möchten KI-Einkaufsentscheidungen jederzeit einsehen oder stoppen können. 49 % wünschen sich sogar, dass ein Mensch bei jedem Kauf final bestätigt. 79 % sagen außerdem, dass klare Informationen darüber, wie eine KI-Daten nutzt und Entscheidungen trifft, ihr Vertrauen stärken würden.
Damit wird aus der Technikfrage eine Erwartung an Vorhersehbarkeit. Sobald nicht mehr nachvollziehbar ist, warum etwas gekauft wurde oder was als Nächstes passieren könnte, verliert Bequemlichkeit ihren Reiz und kippt in Skepsis.
Erkenntnis 2: Autonomie, aber bitte erstmal im Kleinen
Auch beim Budget zeigt sich, dass deutsche Verbraucher Autonomie zunächst klein denken. 50 % würden einer KI ein monatliches Limit von maximal 50 € einräumen. 24 % wären bei bis zu 100 €, und 15 % trauen der KI bis zu 250 € zu. Die Risikobereitschaft verschiebt sich dabei mit dem Alter. Beim niedrigsten Limit dominiert die Gruppe der 55 bis 65 Jährigen, bis 100 € eher die 18 bis 24 Jährigen, und bis 250 € vor allem die 25 bis 34 Jährigen.
Das Muster wird noch deutlicher, wenn man auf Produktkategorien schaut. Am wohlsten fühlen sich Verbraucher aktuell bei Unterhaltungsartikeln mit 63 %, danach folgen Elektronik und Gadgets sowie Lebensmittel mit jeweils 60 %. Sensibler wird es bei Kinderspielzeug sowie Schönheits- und Gesundheitsprodukten, dort sind die Zweifel am größten. Vertrauen entsteht also nicht abstrakt, sondern sehr konkret entlang von Risiko, Kategorie und Fehlerfolgen.
Erkenntnis 3: Rechnungskauf als Vertrauensvorschuss
Beim Thema Zahlung zeigt sich der vielleicht wichtigste Hebel für Akzeptanz. 70 % der Befragten geben an, dass Rechnungskauf oder Buy Now, Pay Later ihr Vertrauen in automatisierte Käufe erhöhen würde. Der Grund ist naheliegend. Diese Modelle geben ein Stück Kontrolle zurück, weil nicht das Gefühl entsteht, die KI habe gekauft und das Geld sei endgültig weg. Stattdessen bleibt Raum, Ware und Entscheidung zu prüfen, bevor bezahlt wird. Aus Riverty Sicht ist das keine überraschende Entwicklung. Alexander Scheibel, verantwortlich für BNPL, sagt im Interview mit Payments & Banking: „das deckt sich mit dem, was wir seit vielen Jahren im E-Commerce sehen.“ Die Zahlungsart wird damit vom reinen Checkout-Element zu einem Signal dafür, wie sicher sich ein automatisierter Einkauf anfühlt.
Erkenntnis 4: Bekannte Marken senken das gefühlte Risiko
Die Zahlen spiegeln eine Stimmung, die weniger nach Hype klingt als nach abwägendem Realismus. Die dominierenden Gefühle gegenüber KI-gestütztem Einkaufen sind Skepsis mit 46 % und Kontrollverlust mit 44 %. Gleichzeitig gibt es Neugier mit 33 %, besonders ausgeprägt bei den 25 bis 34 Jährigen. Dazu passt, dass bekannte Marken in diesem Umfeld attraktiver wirken. 34 % geben an, dass sie beim KI-Einkauf meistens eher bekannte Marken wählen würden, weil Vertrautheit das wahrgenommene Risiko senkt.
Agentic Commerce wird damit in Deutschland nicht an der grundsätzlichen Ablehnung scheitern. Entscheidend ist, ob Anbieter es schaffen, Unsicherheit systematisch abzubauen.
Was das für den Handel bedeutet
Damit Agentic Commerce kein theoretisches Konstrukt bleibt, müssen Händler die technologische Brücke zwischen KI-Autonomie und Verbrauchervertrauen schlagen. Das bedeutet vor allem: Sicherheit durch technologische Kontrolle.
Sichere Autonomie durch Tokenisierung: Damit ein KI-Agent selbstständig Käufe tätigen kann, darf er keinen Zugriff auf sensible Rohdaten von Kreditkarten haben. Die Lösung ist die Tokenisierung. Hierbei werden Zahlungsdaten durch einen eindeutigen digitalen Platzhalter (Token) ersetzt. Händler sollten auf Netzwerk-Token setzen: Diese sind händlerspezifisch und bleiben auch dann gültig, wenn die physische Karte abläuft oder ersetzt wird. Das garantiert, dass der KI-Agent nicht aufgrund veralteter Daten scheitert – ein entscheidender Faktor für eine reibungslose Customer Experience.
Präzise Limits auf Transaktionsebene: Die Umfrage zeigt: Deutsche Verbraucher wollen Kontrolle über ihr Budget. Technisch lässt sich dies über intelligente Schnittstellen lösen, die Autorisierungsanfragen in Echtzeit gegen vordefinierte Regeln prüfen. Händler können Systeme implementieren, die es Kunden ermöglichen, innerhalb ihrer Banking-App oder des Händler-Backends spezifische Agenten-Limits festzulegen. Adyen unterstützt dies durch granulare Datenflüsse, die sicherstellen, dass jede Transaktion die vom Nutzer gesetzten Parameter (z. B. maximal 50 € pro Monat) strikt einhält.
Identität und Betrugsprävention mit Authenticate: Wenn eine Maschine kauft, verändert sich das Risikoprofil. Tools wie Authenticate (3D Secure) müssen so konfiguriert werden, dass sie zwischen menschlichem Verhalten und autorisiertem KI-Verhalten unterscheiden können. Durch den Einsatz von Delegated Authentication kann das Vertrauen gestärkt werden: Der Kunde authentifiziert sich einmalig gegenüber dem Händler oder dem Gerät, und der KI-Agent nutzt diese verifizierte Identität für Folgekäufe innerhalb sicherer Grenzen.
Unified Commerce als Datenbasis: Agentic Commerce funktioniert nur, wenn die Daten nicht in Silos liegen. Mit Unified Commerce verknüpfen Sie Zahlungsdaten aus allen Kanälen – online wie offline. Nur wenn die KI weiß, was Sie bereits im Laden gekauft haben, kann sie online sinnvoll nachbestellen. Diese Datenkonsistenz ist die Voraussetzung dafür, dass die KI-Entscheidungen für den Kunden logisch und nachvollziehbar bleiben. Fazit Agentic Commerce hat das Potenzial, die nächste Entwicklungsstufe des Einkaufens zu werden. Die Chance ist groß: mehr Bequemlichkeit, weniger Routineentscheidungen und ein Einkaufserlebnis, das sich stärker an den Alltag der Verbraucher anpasst. Die Umfrage zeigt aber auch klar, dass diese Entwicklung in Deutschland nur unter bestimmten Bedingungen Akzeptanz finden wird. Verbraucher sind offen, wollen Autonomie aber nur dort zulassen, wo sie transparent, kontrollierbar und sicher bleibt. Für den Handel bedeutet das, Vertrauen nicht vorauszusetzen, sondern technisch und kommunikativ aufzubauen und genau zu beobachten, wie sich das Verbraucherverhalten in den kommenden Jahren weiter verändert.
FAQ
Agentic Commerce beschreibt den Einsatz autonomer KI-Agenten, die Produkte auswählen, Kaufentscheidungen vorbereiten und Bestellungen innerhalb definierter Regeln selbstständig auslösen können. Anders als klassische Chatbots unterstützt Agentic Commerce nicht nur bei der Suche, sondern übernimmt aktiv Teile des Einkaufsprozesses.