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Vier Entwicklungen im Bereich Betrug, die die Branche verändern

Betrug am Point of Sale entwickelt sich weiter: Entdecken Sie vier neue Trends und erfahren Sie, wie Sie Risiken in Ihren Unified Commerce-Prozessen gezielt reduzieren.

13 Juli, 2026
 ·  7 Minuten

Wenn es um Betrug geht, galt der Präsenzhandel am Point of Sale lange Zeit als sicherer Grundstandard. Doch mit der stetigen Entwicklung der Zahlungslandschaft verändern sich auch die Methoden der Betrüger. Die zunehmende Vernetzung von Online- und In-Store-Zahlungsökosystemen hat neue Schwachstellen in Omnichannel-Händlerumgebungen geschaffen. Erfahren Sie mehr über die Zukunft des Betrugs in unserem Fraud Report 2026 → 

Diese Entwicklung kann für Händler zu erheblichen finanziellen Verlusten und operativen Hürden führen. In unseren Gesprächen mit Einzelhändlern berichten jedoch viele, dass ihnen aktuell die nötigen Tools fehlen, um Omnichannel-Betrug effektiv zu bekämpfen.  

Durch die enge Partnerschaft mit Händlern – gestützt auf Technologie und gemeinsamen Informationsaustausch – bleibt Adyen an vorderster Front bei der Erkennung dieser neuen Bedrohungen. Hier sind vier Betrugstrends, die den Einzelhandel derzeit belasten, sowie Einblicke, wie Sie diese proaktiv eindämmen können.

1. Ausnutzung unreferenzierter Rückerstattungen: Social Engineering und Richtlinienmissbrauch

Unreferenzierte Rückerstattungen, also Erstattungen, die ohne Verknüpfung mit einem ursprünglichen, verifizierten Transaktionsdatensatz durchgeführt werden, gehören weiterhin zu den lukrativsten Zielen für Kriminelle. Betrüger nutzen diese unreferenzierten Erstattungen vor allem auf zwei Arten aus:  

  • Social Engineering: Betrüger rufen direkt beim Kassenpersonal im Store an und geben sich als interne IT-Abteilung oder als Helpdesk des Händlers aus. Sie verleiten das Personal dazu, eine Testtransaktion durchzuführen, und weisen sie anschließend an, eine unreferenzierte Rückerstattung auf eine Karte auszuführen, die vom Betrüger kontrolliert wird.  

  • Richtlinienmissbrauch (Policy Abuse): Betrüger nutzen kulante Rückgabebestimmungen oder ein hohes Kundenaufkommen in Stores aus, indem sie Erstattungen ohne Kaufbeleg verlangen – oft unter Verwendung gestohlener Waren oder mitgebrachter Artikel. In schweren Fällen arbeiten Betrüger mit Angestellten zusammen, die ihren Zugriff auf das Kassensystem (POS) missbrauchen, um Gelder direkt auf eigene Karten gutzuschreiben.  

Das Fazit

Diese Taktiken werden in kleinen wie in großen Retail-Umgebungen intensiv angewendet. Da solchen Rückerstattungen die prüfbare Rückverfolgbarkeit zu einem Erstkauf fehlt, sind sie extrem schwer nachzuvollziehen.  

Adyen Insights & Händler-Empfehlungen

Da Social Engineering auf menschlicher Täuschung basiert, kann Technologie allein dies nicht verhindern. Händler müssen ihr Store-Personal schulen, niemals telefonische Anweisungen für Testtransaktionen oder Rückerstattungen zu akzeptieren.   

Aus Richtlinien- und Systemperspektive sollten Händler wann immer möglich verknüpfte Erstattungen vorschreiben – unterstützt durch Tools wie Adyens refundWithData oder tokenisierte Rückerstattungen. Wenn Sie unreferenzierte Rückerstattungen zulassen müssen, stellen Sie sicher, dass Ihr POS-System die Eingabe einer eindeutigen Mitarbeiter-ID erzwingt, um auffällige Musterschemata bei Angestellten zu erkennen. Weitere Informationen zu den Risiken unreferenzierter Erstattungen finden Sie in den Adyen Docs.

2. Contactless-Wallet-Betrug: Offline- und Issuer-Exploits

Betrüger manipulieren zunehmend die Kommunikation zwischen Zahlungsterminals und Kartenausstellern (Issuern), indem sie gefälschte Kartendaten in digitale Wallets von Drittanbietern laden. Ihr Ziel ist es, eine Transaktion lokal am Terminal genehmigen zu lassen, ohne eine gültige Echtzeit-Autorisierung vom Kartenaussteller zu erhalten. Dabei versuchen sie meist zwei Methoden:  

  • Erzwungene EMV-Offline-Genehmigung: Das gefälschte digitale Kartenprofil ist so konfiguriert, dass es das Terminal während einer EMV-Transaktion manipuliert und fälschlicherweise einen Antwortcode für eine Offline-Genehmigung (wie Y1) zurückgibt. Dieser Code täuscht das Terminal vor, die Zahlung zu akzeptieren, ohne dass überhaupt ein Online-Verbindungsaufbau versucht wird.  

  • Issuer-Exploit (Store-and-Forward-Missbrauch): Das Kartenprofil löst eine Online-Autorisierungsanfrage aus, die gezielt mit einer bestimmten Antwort ("Issuer unavailable") fehlschlagen soll. Der Betrüger hofft, dass das Terminal diese Antwort als echten Netzwerkausfall missinterpretiert, in den Store-and-Forward-Modus wechselt und den Kauf lokal genehmigt.

Das Fazit

Diese Taktik führt zu betrügerischen Transaktionen, die letztlich in kostspieligen Rückbuchungen (Chargebacks) enden. Betrüger nutzen diesen Ansatz häufig im Einzelhandel und in der Gastronomie.  

Adyen Insights & Händler-Empfehlungen

Adyen schützt Händler proaktiv vor diesen Schwachstellen durch integrierte Schutzmechanismen auf Terminal- und Netzwerkebene:  

  • Sicherheit auf Terminalebene: Adyen-Zahlungsterminals halten sich strikt an fortschrittliche EMV-Sicherheitskernel. Unsere Hardware und Anwendungen schreiben in genau diesen Szenarien Online-Autorisierungsprüfungen zwingend vor und unterbinden gefälschte Offline-Genehmigungsprozesse.  

  • Maßnahmen auf Netzwerkebene: Um Issuer-Exploits zu neutralisieren, verhindert Adyen auf unserer gesamten Plattform, dass "Issuer unavailable"-Antworten fälschlicherweise den Store-and-Forward-Modus auslösen. So wird verhindert, dass Terminals fehlerhafte Transaktionen fälschlicherweise genehmigen.  

3. „Ghost Tap“ NFC-Relay-Angriffe

Eine hochkomplexe Form des Nahbereichsbetrugs ist der sogenannte „Ghost Tap“, der auf einem NFC-Relay-Angriff basiert. Ein Betrüger setzt einen physischen Komplizen im Store ein, der ein Gerät am Point of Sale an das Terminal hält. Die tatsächlichen Zahlungsdaten werden jedoch aus der Ferne von einem völlig anderen Gerät gestreamt und autorisiert, auf dem gestohlene Kartendaten hinterlegt sind. Für das Kassenpersonal und das Terminal wirkt die Transaktion wie ein gewöhnlicher kontaktloser Bezahlvorgang. 

Das Fazit

Diese Taktik tritt vor allem im Luxuseinzelhandel immer häufiger auf, wo sich der koordinierte Aufwand durch hohe Warenwerte für Betrugssyndikate besonders lohnt.  

Adyen Insights & Händler-Empfehlungen

Da Ghost-Tap-Angriffe echte Kartentokens in Echtzeit nutzen, umgehen sie Standardprüfungen am Terminal. Während Adyen diesen Trend weltweit kontinuierlich überwacht, können Händler ihr Risiko durch einige einfache Schritte sofort senken:  

  • Schulung des Personals auf verdächtiges Verhalten: Achten Sie auf Kundschaft, die während des Bezahlvorgangs mit einer anderen Person oder einem zweiten Gerät zu kommunizieren scheint.  

  • Zusätzliche Prüfungen bei hohen Beträgen: Verlangen Sie bei hochpreisigen Transaktionen das Einstecken der physischen Karte mit Chip statt eines einfachen kontaktlosen Zahlvorgangs.  

  • Achten Sie auf wiederholten Gerätewechsel: Stoppen Sie die Transaktion, wenn jemand nach fehlgeschlagenen Kontaktlos-Versuchen nacheinander mehrere Smartphones oder digitale Wallets ausprobiert. 

4. Kanalübergreifender Geschenkkartenbetrug

Bei dieser Taktik handelt es sich um ein hochgeschwindigkeitssynchronisiertes Vorgehen zweier Personen. Ein Betrüger versucht einen Kauf im Store mit einer Geschenkkarte zu tätigen. In genau dem Moment, in dem die Karte vorgelegt wird, übermittelt er die Kartendaten an einen Komplizen, der sofort einen Blitzkauf im Onlineshop mit derselben Geschenkkarte durchführt. Noch bevor das Store-Personal die Transaktion vor Ort wegen eines sekundären Verdachts abschließen oder abbrechen kann, wurde das Guthaben online bereits vollständig aufgebraucht.

Das Fazit

Dieses Muster zeigt sich vor allem bei großen Einzelhändlern, deren Online- und In-Store-Warenwirtschaftssysteme nicht in Echtzeit mit den Geschenkkarten-Beständen synchronisiert sind.  

Adyen Insights & Händler-Empfehlungen

Since Adyen operates as a unified platform, we track a gift card’s end-to-end lifecycle across all sales channels, all at once. Our platform can recognize a pending in-store action and halt simultaneous online use of that same gift card number, effectively closing the real-time processing loophole.

Dem Risikoschutz einen Schritt voraus

Adyen unterstützt Einzelhändler dabei, die Komplexität moderner Omnichannel-Betrugsmuster zu beherrschen. Über unsere einheitliche Plattform, umfangreiche Ökosystem-Daten und kontinuierlich weiterentwickelte, KI-gestützte Risikomanagement-Funktionen bieten wir eine ganzheitliche Sicht auf Ihre Transaktionen – und die passenden Tools, um Betrug zu stoppen, bevor er Ihre Unternehmensergebnisse belastet.   

Über unsere bestehenden Funktionen hinaus entwickeln wir kontinuierlich neue Innovationen gegen Richtlinienmissbrauch im Unified Commerce. Dazu gehört unsere 2025 eingeführte Lösung für Policy Abuse Management, die speziell Erstattungsmissbrauch bekämpft. Die Lösung nutzt kanalübergreifende Daten und Wiedererkennung von Käufern, um ehrliche Kundschaft nahtlos zu bestätigen und schädliches Verhalten konsequent zu unterbinden.

Wie geht es weiter?

Viele dieser Betrugsmuster beruhen stark auf operativen Lücken und Social Engineering, die außerhalb der Reichweite traditioneller Zahlungs-Sicherheitslösungen liegen. Ihre Eindämmung erfordert eine Kombination aus geschultem Personal, klaren Store-Richtlinien und robuster Technologie.   

Jedes Unternehmen hat ein individuelles Risikoprofil. Wenn Sie Ihre Betrugsstrategie stärken möchten, sprechen Sie mit Ihrem Account Manager bei Adyen. Gemeinsam analysieren wir Ihre aktuelle Risikolage, besprechen maßgeschneiderte Präventionsstrategien und zeigen Ihnen die Möglichkeiten unserer Risiko- und Optimierungslösungen – wie Uplift Protect – auf. 

Autoren:

Priyanka Agrawal, Global Retail Lead

Emily Dymond, Head of Performance & Risk Optimization

Suzanne Gendelman, Head of Account Management, Unified Commerce

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